Ehrenamtliche Mitarbeiter – eine Bereicherung für NPO, (aber nicht kostenlos)

Veröffentlicht am von Silvia Starz

Das Ehrenamt hat in Deutschland eine lange Tradition und viele Gesichter. Es zeichnet sich dadurch aus, dass Menschen sich für eine Sache oder Organisation engagieren, ihre Zeit zur Verfügung stellen und dafür keine Entlohnung erhalten. Sie engagieren sich für vielfältige Aufgaben, mit unterschiedlicher Intention, teilweise übernehmen sie auch die finanzielle Verantwortung. Die Motivation sich zu engagieren reicht von Spaß haben, über etwas bewegen wollen oder dem Leben einen Sinn geben bis neue Fertigkeiten erwerben und gesellschaftliche Anerkennung bekommen. Die Ansprüche und Bedingungen der Menschen, die bereit sind sich zu engagieren, verändern sich. Zunehmend sollen die Aufgaben zunehmend klar umrissen sein, der zeitliche Einsatz begrenzt und das Engagement ist nicht mehr über Jahre nur an eine Organisation gebunden.

Internationale Konzerne setzen in Deutschland allmählich auch Formen der Firmenkultur um, die in den angelsächsischen Ländern bereits viele Jahre Tradition haben. Corporate Volunteering bedeutet, dass Firmen wie Ford, Henkel oder BP die ehrenamtlichen Aktivitäten ihrer Mitarbeiter unterstützen oder sie sogar einige Tage im Jahr dafür  freistellen. Leitungs- und Führungserfahrungen aus ehrenamtlicher Tätigkeit können ein Plus für neue Stelle bedeuten oder sind sogar erwünscht.

Der Einsatz von Ehrenamtlich in der Organisation ist allerdings nicht kostenneutral. Das Management von der Anwerbung bis zur Betreuung der freiwillig Tätigen bedarf einer Konzeption, die zur Organisation passt und der Mittelbereitstellung für die Koordination oder die Ausstattung von Arbeitsplätzen. Zertifizierte Ausbildungen zum Freiwilligenmanager, die z.B. die Akademie für Ehrenamtlichkeit Deutschland  anbietet, qualifizieren die angestellten Mitarbeiter. Seit 1998 haben 1500 Freiwilligenmanager dort ihr Zertifikat erhalten.

Ehrenamtliche sind auch wichtige Unterstützer für das Fundraising, doch nicht nur hier gilt, der Anreiz für das Engagement ist größer, wenn es Unterstützung von der Leitungsebene gibt, die Aufgaben vorher beschrieben und der damit verbundene zeitliche Aufwand geklärt ist.  Eine Fortbildung/Ausbildung für das Fundraising, die sich vielleicht auch noch beruflich nutzen lässt, könnte auch ein interessanter Aspekt sein, sich freiwillig für das Fundraising einer Gemeinde oder einer Organisation einzusetzen. Wie das Beispiel  IN VIA Projekte gGmbH in Berlin-Karlshorst zeigt. Dort arbeiteten Ende 2009 einige ehrenamtliche Mitarbeiter, die gerade den Vorruhestand angetreten hatten. Eine Mitarbeiterin zeichnete sich dadurch aus, das sie nicht nur fit bei der Neuordnung der Akten war, sondern auch ein besonderes Interesse an der Datenverarbeitung und dem Umgang mit dem PC zeigte. Sie wurde gefragt, ob sie sich vorstellen könnte, sich in die Spendenverwaltung und Geldbußenakquise einzuarbeiten und diesen Bereich ggf. auch später für einige Monate und Jahre eigenverantwortlich zu betreuen. Mit der Teilnahme am Fundraising-Führerschein 2010 der Akademie für Ehrenamtlichkeit erarbeitete sie sich Grundlagenkenntnisse. Die Einarbeitung und Begleitung vor Ort wurde stundenweise durch eine erfahrene Fundraiserin geleistet, die mit der Leitung und der Öffentlichkeitsarbeit das konzeptionelle Vorgehen und den Jahresplan für das Fundraising abstimmt.  Nach einigen Monaten ist die Mitarbeiterin firm und wacht  3-4 Stunden wöchentlich über die korrekte Eingabe der Spenden in der Datenbank, das Ausstellen der Spendenbescheinigungen und kann Serienbriefe für das Anschreiben von Richtern und Staatsanwälten einrichten. Das Extra-Bonbon für die geleistete Arbeit ist der gemeinsame Besuch einer Preisverleihung bei der Aktion „Geben Gibt“ oder bei der Aktiven Bürgerschaft.

Ehrenamtliche sind wertvolle Unterstützer der Fundraisingaktivitäten einer Organisation. Voraussetzung ist eine klare Aufgabenbeschreibung, die Rechte und die Erwartungen an die freiwilligen Fundraiser. Eine (hauptamtliche) Ansprechperson in der Organisation, sollte die Aktivitäten mit und für Ehrenamtliche konzeptionieren, koordinieren und unterstützen. Bei der Fundraisingkonzeption die Aktivitäten und Kosten für Anwerbung und Ausbildung, die Pflege der Kontakte und das Dankeschön von freiwilligen Mitarbeitern mitplanen und berechnen.

Ehrenamtliche Mitarbeiter für das Fundraising sollten sich für wenigsten 2-3 Jahre zur Verfügung stellen, denn Förderer und Spender sollten sich nicht alle paar Wochen auf neue Kontaktpersonen einstellen müssen. Ehrenamtliche Fundraiser sollten kontaktfreudig sein und keine Scheu haben um Unterstützung für die Vorhaben der Organisation zu bitten. Dabei können persönliche Kontakte und Türöffner hilfreich sein.  Wer sich nicht auf längere Zeit verpflichten möchte, könnte bei konkreten Kurzaktionen wie Spendenbriefe eintüten oder verteilen hilfreich sein. Oder bei jährlich wiederkehrenden Events wie Basar, Sommerfest, Rote-Schleifen-Aktion zum Welt-Aidstag, Haussammelaktionen eingesetzt werden.